Heft 3 / 2016   [im Druck]:



Bildungsarbeit unter Genderperspektiven



Während auf der einen Seite behauptet wird, Frauen und Männer seien heute gleich, daher gäbe es keine Unterscheidung nach Frauen und Männer mehr, wird auf der anderen Seite darauf bestanden und entsprechend beharrlich argumentiert, Frauen und Männer seien grundsätzlich verschieden.

Theoreme wie das „doing gender“ vermitteln, dass soziale Zuweisungen nach Geschlecht ständig, also alltäglich, stattfinden. Die Herstellung der Geschlechtszugehörigkeit lässt sich als kulturelle Konstruktion beobachten. Das Hinnehmen oder der Widerstand gegen Zuschreibungen dieser Art auch. Es geht immer wieder um Identitätsprozesse im Sinne, was wird durch die Annahme oder die Ablehnung von zugeschriebenen Stärken und Schwächen an das jeweilige Geschlecht herangetragen. In den Debatten kommt häufig die Überlegung zu kurz, welchen Stellenwert die Vorbilder der Mütter und Väter auf das Rollenverhalten haben. Die Diskussion über „Starke Väter – starke Söhne“ schließt Mädchen aus. Forschungen über „Starke Mütter – starke Töchter“ sollten erkunden, welche Wirkungen starke Mütter auf die Sozialisation von Mädchen und Jungen haben. Aufschlussreich wären Reflexionen darüber, was Mädchen und Jungen ihren Müttern und Vätern verdanken, vor allem in Bezug auf die Flexibilität der Rollenmuster im Erwachsenenalter.

Die Thematisierung von Geschlecht z.B. in der Lehre bringt häufig den Tatbestand hervor, dass junge Frauen sich weniger zutrauen als dies junge Männer tun. Beobachtbar sind folgende Situationen: Während männliche Studierende durch Sprechen Raum einnehmen, lassen sich weibliche Studierende ggf. davon beeindrucken und schweigen. Bildungsarbeit ist daher unter solchen Verhältnissen nach wie vor eine Notwendigkeit. Denn Sprechen oder Schweigen reproduzieren tendenziell Unter- und Überordnungsverhältnisse in Beziehungen. Daher kann das Ignorieren bzw. Nichtthematisieren solcher Wirkungen keine Klugheit sein, wie dem weiblichen Geschlecht in der Vergangenheit häufig vermittelt wurde.